03. November 2026

Weltordnung voller geopolitischer Risiken

Sicherheitsexperte Prof. Dr. Carlo Masala referiert beim KLEINEN KREIS

Vortrag im CORE zur neuen Weltordnung: Prof. Dr. Carlo Masala (Mitte), KLEINERE KREIS-Vorsitzende Mirja Viertelhaus-Koschig und Geschäftsführer Dirk Heitkötter.

Vortrag im CORE zur neuen Weltordnung: Prof. Dr. Carlo Masala (Mitte), KLEINERE KREIS-Vorsitzende Mirja Viertelhaus-Koschig und Geschäftsführer Dirk Heitkötter.

Oldenburg, 03.11.2026. Sicherheit und Geopolitik sind zu harten Standortfaktoren und betriebswirtschaftlichen Kennzahlen geworden. Unternehmen in Deutschland können sich der Weltpolitik nicht mehr entziehen. So das Fazit der Veranstaltung "Wirtschaft und Politik" des KLEINEN KREISES im Oldenburger CORE. Referent des Abends war Sicherheitsexperte Prof. Dr. Carlo Masala von der Hochschule der Bundeswehr. Sein Rat an Unternehmen: "Wer in der neuen multipolaren Weltordnung erfolgreich bleiben will, muss geopolitische Risiken antizipieren und die eigene Organisation krisenfest aufstellen."

Carlo Masala zeichnete in seinem Vortrag zum Thema "Weltpolitik und Wirtschaft - die Auswirkungen globaler Krisen auf Unternehmen in Deutschland" ein ungeschöntes Bild der aktuellen internationalen Lage. Die über Jahrzehnte sichere Triade des deutschen Wirtschaftsmodells existiere nicht mehr, der militärische Schutz durch die USA verringere sich, billige Energie aus Russland gebe es nicht mehr und China als quasi unbegrenzter Markt falle weg.

Anstelle dieser Berechenbarkeit sei eine Polykrise getreten. Das entscheidende Merkmal heutiger Krisen sei laut Masala ihre bewusste Verknüpfung durch globale Akteure. "Lokale Konflikte bleiben nicht mehr isoliert, sondern werden instrumentalisiert, was das geopolitische Konfliktmanagement massiv erschwert."

Die Ordnung der Welt nach westlichem Vorbild sei gescheitert. Stattdessen entstehe eine multipolare Weltordnung, in der Allianzen wie die BRICS-Staaten an wirtschaftlichem und politischem Gewicht gewinnen und das westlich dominierte System herausfordern, so Carlo Masala weiter. Es etabliere sich eine neue Bipolarität zwischen China und den USA und Russland versuche, bestehende Sicherheits- und Wirtschaftsarchitekturen zu zerschlagen.

Die Vorsitzende des KLEINEN KREISES, Mirja Viertelhaus-Koschig, sagte in ihrer Begrüßung: "Um in diesem volatilen weltpolitischen Umfeld zu bestehen, steuern deutsche Unternehmen operativ und strategisch um: Die einseitige Abhängigkeit von einzelnen Märkten wird gezielt abgebaut. Lieferketten werden breiter aufgestellt und Vorprodukte vermehrt aus politisch verlässlichen Partnerstaaten bezogen. Unternehmen nehmen höhere Lagerhaltungskosten bewusst in Kauf, um Puffer gegen plötzliche Lieferabrisse zu schaffen. Die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen wird durch verstärkte Investitionen in Energieeffizienz, Digitalisierung und künstliche Intelligenz bekämpft, um langfristig die Produktivität zu steigern. Die Verflechtung von Weltpolitik und Wirtschaft zwingt deutsche Unternehmen dazu, Geopolitik als festen Bestandteil ihres Risikomanagements zu etablieren. Reine Kosteneffizienz reicht als Wettbewerbsvorteil nicht mehr aus – geopolitische Resilienz und Flexibilität entscheiden über die Zukunftsfähigkeit des Standorts Deutschland."